Die internationalen Beziehungen Russlands bieten ein spannendes Feld für die Politikwissenschaft. Studierende der Uni Würzburg, die sich dafür interessieren, können an einem deutsch-russischen Austauschprojekt teilnehmen.

Hat Russland mitten im Vereinigten Königreich von Großbritannien ein chemisches Kampfmittel eingesetzt, um einen früheren Spion umzubringen? Plant das Land militärische Aktionen gegen EU- und NATO-Mitglieder in seiner Nachbarschaft? Versucht es mit Aktivitäten in sozialen Medien, den Wahlausgang in anderen Ländern zu beeinflussen?

Die Nachrichten sind voller Meldungen über Russland. Dabei würden häufig Stereotype vermittelt, meint die Europäische Akademie Otzenhausen gGmbH im Saarland. Dem will die Institution entgegenwirken. Sie veranstaltet darum seit fast zehn Jahren ein internationales Informations- und Begegnungsseminar für junge Leute.

Zum jüngsten Seminar kamen im Juli 2018 rund 40 Teilnehmende aus Deutschland, Russland und Belgien an die Akademie. Auch elf Politik-Studierende der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) waren dabei. Ermöglicht wurde ihnen das durch eine Kooperation, die Gisela Müller-Brandeck-Bocquet, Professorin für Europaforschung und Internationale Beziehungen am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie der JMU, seit einigen Jahren mit der Akademie pflegt. Ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Johannes Greubel war als Betreuer der Studierenden dabei.

Zwei Wochen in engem Kontakt

Die europäisch-russischen Begegnungen finden zwei Mal im Jahr statt; einmal in Otzenhausen, einmal in St. Petersburg. Die gleichaltrigen Teilnehmenden leben und arbeiten fast zwei Wochen lang zusammen. Sie teilen sich Zimmer, tauschen sich über ihre Traditionen aus und lernen von- und miteinander.

Bei Vorträgen und Workshops lernen sie ihre Länder und die EU sowie die Beziehungen zueinander besser kennen. Sie diskutieren aktuelle Probleme und Herausforderungen. „Wenn, wie in diesem Jahr, auch eine gebürtige Ukrainerin mit dabei ist, kann das schnell hitzig werden – und doch bleiben die jungen Menschen sachlich und offen für die Positionen der anderen“, so Seminarleiter Sebastian Zeitzmann von der Akademie.

Russland-Gespräche in Saarbrücken

Als Teil des Seminars wurden am 31. Juli in Saarbrücken die 4. Russland-Gespräche durchgeführt. Dort diskutierten eine russische Studentin und ein deutscher Student mit, und zwar Marc Wießner von der JMU. In den Gesprächen wurde auf das vergangene Jahr in den gemeinsamen Beziehungen zurückgeblickt und es wurden Prognosen für das kommende Jahr gewagt – positiv waren die wenigsten.

Ein großer Wunsch schien aber alle zu einigen: Dass zwischen Russland, Deutschland, der EU und der NATO ein Dialog geführt werden solle – und zwar von der obersten Ebene bis in die Zivilgesellschaft hinein, so wie es auch beim Seminar der Fall war. Mit Russland müsse man „reden, reden, reden“.

In St. Petersburg geht es weiter

Den Dialog werden die Seminarteilnehmenden weiterführen: Die Deutschen und Belgier werden Ende Februar 2019 eine Woche lang in St. Petersburg sein. Dort treffen sie ihre neu gewonnenen russischen Freundinnen und Freunde wieder und kommen auch mit anderen Vertretern der Zivilgesellschaft zusammen. Voraussichtlich wird der Trip dazu beitragen, weitere Stereotype zu entkräften und Vorurteile abzubauen.

Quelle: idw – Informationsdienst Wissenschaft

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