Das russische Hochschul- und Wissenschaftssystem, durch die politischen Umbrüche von 1917 und 1991 gewiss nicht arm an tiefgreifenden Paradigmenwechseln, vollzieht derzeit den bisher größten Wandel seiner Geschichte. Nach etwa zwei Jahrzehnten, die einerseits geprägt waren von positiven Entwicklungen wie der Entsowjetisierung, der Internationalisierung und einem äußerst dynamischem Wachstum, andererseits aber auch von Unterfinanzierung, Qualitätsverlust und „brain drain“, setzte am Ende des letzten Jahrzehnts mit der Einführung neuer „Föderaler Universitäten“ ein tiefgreifender Reformprozess ein, der bis heute anhält und sogar noch an Fahrt aufgenommen hat. Die „Akademien der Wissenschaften“, einst Speerspitze der sowjetischen Wissenschaft, stehen massiv unter Druck und werden in den nächsten Jahren vermutlich nahezu von der Bildfläche verschwinden und zum Großteil an einen für Russland neuen Typus – die sog. „Nationalen Forschungsuniversitäten“ – angegliedert. In einer „Exzellenzinitiative“ wurden 2013 über ein Dutzend Hochschulen ausgewählt, von denen fünf bis 2020 durch zusätzliche Förderung in die Gruppe der besten 100 Universitäten weltweit aufschließen sollen („5Top100„). Gleichzeitig werden durch eine 2012 eingeführte „Effizienzkampagne“ Universitäten mit schwacher Qualität geschlossen oder zusammengelegt – bisher sind bereits 600 Hochschulen davon betroffen, zahlreiche weitere werden in naher Zukunft folgen.

Nach zwei Jahrzehnten der Vernachlässigung befindet sich das Hochschulsystem durch milliardenschwere Investitionen im Aufbruch. Die Chancen und Perspektiven zur Internationalisierung sind besser als je zuvor; die Zahl der im Ausland studierenden Russen steigt seit Jahren und erreichte 2013 erstmals knapp 100.000 – dabei stellt Deutschland mit etwa 11.000 Studierenden das wichtigste Zielland dar. Aber nicht nur für Studierende, sondern auch für Forschende wird Russland zunehmend attraktiv. Dazu tragen z. B. die „Mega-Grants“ bei, die internationale Laboratorien schaffen und alleine zwischen 2010-2012 mit einem Sondertopf von €200 Mio. gefördert wurden und deren Weiterfinanzierung bis 2016 bewilligt wurde.

Angesichts der äußerst dynamischen und unübersichtlichen Situation (Stand 2015 gibt es ca. 550 staatliche und 400 nichtstaatliche Hochschulen sowie weit über 1.000 Hochschulfilialen), die von deutschen Hochschul- und Wissenschaftseinrichtungen weitgehend unbemerkt vor sich geht, stellt BAYHOST einen Kompetenzatlas mit den führenden russischen Hochschulen- und Wissenschaftsinstitutionen bereit, um dem Informationsdefizit entgegenzuwirken und bei der Suche nach geeigneten russischen Hochschulen, die sich für Kooperationen, Forschungsprojekte, Austauschprojekte, Konferenzen etc. anbieten, eine Hilfestellung zu bieten. Da wir eine bayerische Einrichtung sind, werden in der Regel nur bilaterale bayerisch-russische Hochschulkooperationen aufgelistet.

Die Informationen wurden von BAYHOST recherchiert und zusammengetragen. Wo es ging, wurden diese von den Universitäten selbst bereitgestellt oder von den Webseiten der Hochschuleinrichtungen übernommen. Für die Vollständigkeit der Angaben, redaktionelle Fehler, Richtigkeit sowie Aktualität der Informationen kann keine Gewähr übernommen werden.

Bei Fragen oder Anregungen können Sie unter info[at]bayhost.de Kontakt mit uns aufnehmen.

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